Weihnachtsgrüße

Liebe Frauen und Männer des Dialog Reggio Landesverbands West,

das alte Jahr geht zu Ende und verabschiedet sich hier bei uns im Bergischen Land mit Dauerregen und Nebel.
Umsomehr genießen wir die wärmenden Räume im Haus und freuen uns auf den Kerzenschein am Abend. Manches ist uns im vergangenen Jahr gelungen und Manches nicht. Schauen wir auf die guten Augenblicke und stärken wir uns an all dem, was wir erreichen durften.

Wir bedanken uns bei den Kolleginnen in Bielefeld und Unna, die uns im vergangenen Jahr gastlich aufgenommen haben und uns umsorgten, damit wir eine gute Arbeitsatmosphäre hatten. Unseren Dank und unsere Grüße bitte ich an die Mitarbeiterinen weiter zu geben, die Heidi und Christel bei diesem Vorhaben unterstützt haben.

In Ostpreußen, dem Land meiner Vorfahen, begannen gleichzeitig mit den Festtagen die Raunächte. In diesen Tagen bis zum neuen Jahr durften viele alltäglichen Arbeiten nicht ausgeführt werden. Darunter fielen vor allem die Tätigkeiten, die viel Kraft und Einsatz verlangten: Putzen, backen, Kochen, Buttern, Wursten, sowie Flicken und Nähen, das Vieh mußte im Stall bleiben, also eine wunderbare Aufforderung zum Ausruhen, zum Nachsinnen und Feiern. Dazu wünschen wir Euch viel Zeit und Ruhe !!

Euch allen, Euren Familien und Freunden wünschen wir ein fröhliches Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr.

Im Namen des Vorstands des Landesverbandes West von DR Deutschland
Eure Hildegard

Advertisements

„Das Projekt ist vorbei, wenn die Erzieherin die Lösung anbietet, weil dann die Fragen der Kinder beantwortet sind.“

von Hildegard Wies, Karola Mair, Lisa Thies und Helen Hermann

Responsive Evaluation der Langzeitfortbildung zur Reggio-Pädagogik

Mit gespannter Erwartung traf das Referententeam mit Schwerpunkt Reggio-Pädagogik des Franz-Hitze-Hauses (FHH) Münster im Institut für Bildungsphilosophie, Anthropologie und Pädagogik der Lebensspanne der Universität Köln am Abend des 3.11.14 ein.

Vorausgegangen war die intensive Suche von Ludger Schulte-Roling, Fachbereichsleiter des FHH und des Referententeams nach einem Kooperationspartner aus der Wissenschaft. Ausgangsfrage war, welche Wirksamkeit könnte die Fortbildung zur Fachkraft für reggio-orientiertes Lernen auf die alltägliche Praxis der Absolventinnen und Absolventen haben?

Eingeladen hatten Frau Prof. Dr. Ursula Stenger und Studierende der Universität zu Köln der Humanwissenschaftlichen Fakultät. Im Rahmen eines zweisemestrigen Projektseminars innerhalb des Masterstudiengangs hatten sie die responsive Evaluation der Weiterbildung durchgeführt.

Zu Beginn des Projekts galt es für die Studierenden zunächst die Kernelemente und Angebotsform dieser Weiterbildung in Kooperation mit dem Träger kennen zu lernen. In einem nächsten Schritt erarbeiteten die Studenten mögliche Verfahren, um die „Wirkung“ dieser bereits seit 10 Jahren angebotenen einjährigen berufsbegleitenden Weiterbildung zu erforschen. Dazu gehörten Hospitationen in den Einrichtungen durch die Studenten, Videographien und Interviews mit ehemaligen Teilnehmenden der Weiterbildung.

Die Präsentation der Ergebnisse erfolgte sehr detailliert. Die Stärken der Weiterbildung standen an erster Stelle:

  • Der Fortbildungsrahmen im FHH wird als sehr angenehm empfunden
  • Die Dozenten sind im Austausch miteinander und passen sich den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen an
  • Eigenes Wissen kann erweitert werden, vor allem durch den Austausch mit anderen TeilnehmerInnen und durch Hospitationen in verschiedenen Einrichtungen
  • Gute Theorie Praxis Verknüpfung
  • Professionalisierung, Selbstbildung wird angeregt
  • Reflexion der eigenen Prägungen stärkt die innere Sicherheit
  • Teamfortbildungen sind sehr hilfreich, die Individualität der Einrichtungen wird berücksichtigt

Es folgten Ausführungen zur pädagogischen Haltung, zum Kinderparlament, zu Projektarbeiten und Dokumentationen. Da die hospitierten Einrichtungen durch Zufall katholische KiTas waren, forschten die Studenten auch über das Erfahren von kulturellen-religiösen Praktiken und Werten. Hier wurde deutlich, dass parallel zur Projektarbeit die religiösen Inhalte und Werte z.T. über den Weg der Vermittlung stattfinden. Dieses Phänomen scheint in konfessionell gebundenen Einrichtungen schwer auflösbar, muss aber reflektiert werden. „Es gibt Augenblicke, da kann ich die Welt befragen und es gibt Augenblicke, da kann ich die Welt erzählen.“ (Prof. Dr. U. Stenger.)

Für das Kinderparlament, die Projektarbeit und die Dokumentationen erhielten wir wichtige Hinweise:

Als generelle Frage stand im Raum: Ist das Kinderparlament in seiner praktizierten Form tatsächlich geeignet, Partizipation und demokratisches Verhalten einzuüben? Durch die Sichtung des Videomaterials traten folgende Überlegungen hierzu auf: Sind Kinder beispielsweise in der Rolle der Gesprächsmoderation überfordert? Ist die Perspektive auf Partizipation in dieser Form nicht zu sehr die der Erwachsenen?

In der Projektarbeit ist es wichtig, den Prozess den Regungen der Kinder entsprechend zu begleiten, sie in ihren Ideen zu bestärken und ihnen Hilfestellung zur Realisierung derselben zu geben.

Hierbei ist die fragende und spiegelnde Haltung der Pädagogen von Bedeutung.

Eine gute Dokumentation parallel zum laufenden Projekt zeigt eine stützende und inspirierende Wirkung. Charakteristika einer guten Dokumentation liegen zum einen in einem ausrechenden Zeit- und Raumkontingent für die Erzieherinnen zu Beobachtung und Dokumentation und zum anderen darin, dass Dokumentationen für Kinder sichtbar und zugänglich sind und dadurch Anlass zu Dialog und Austausch sein können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass theoretische und praktische Elemente der Weiterbildung in den beobachteten Einrichtungen sichtbar waren. Dabei sind verschiedene Aspekte bei der konkreten Umsetzung wirksam. Hierzu zählen personelle und persönliche Ressourcen, individuelle Strukturen der Einrichtungen und wie der Reggio Ansatz in diesen gelebt wird.

Von der Forschungsgruppe wurden im obigen Sinne folgende besondere Merkmale hervorgehoben:

  • Die Fähigkeit von Selbst- und Teamreflexion,
  • Umgang mit Anforderungen im Alltag
  • Dialogfähigkeit von Kindern und die innere Ausrichtung auf die prozesshafte Begleitung kindlicher  Aktivitäten

Den letzten Punkt fanden wir alle besonders spannend: Es ging um weiterführende Aspekte und Ideen für die Fortbildung. Themen, die von den Befragten als wichtig eingestuft wurden, waren:

  • Videosequenzen als reflexive Lernmöglichkeit nutzen (ist auch in Reggio gängige Praxis, diese Methode möchten wir künftig für unsere Langzeitfortbildungen etablieren).
  • Inklusion im Hinblick auf Kinder mit besonderen Rechten und aus belasteten Familien
  • Dialogische Zusammenarbeit mit Eltern
  • Betreuung und Förderung der Kinder unter 3 Jahren
  • Projekte mit Bewegungsbeteiligung
  • Umsetzung und Anpassung von konkreten Ideen des Vorbildes Reggio in deutschen KiTas
  • Bestärkung der Fachkräfte, mehr Mut zu Ergebnisoffenheit anstelle von Wissensvermittlung

Wir haben an diesem Abend sehr viele positive Rückmeldungen und die Bestätigung unseres Tuns, aber auch ganz konkrete Anregungen für die weitere Reflexion und Vertiefung der Weiterbildung in Münster erhalten. Es war ein sehr anregender und berührender Abend für uns, für den wir uns auf diesem Weg bei Frau Prof. Stenger und ihren Studenten bedanken möchten.

Abschließend schenkten uns die Studenten und Prof. Dr. Ursula Stenger ein schönes Bild als Leitbild für unsere Weiterbildung:

Die eigene Unvollkommenheit als Person nicht als Druck empfinden, sondern als Chance, inne zu halten, neue Impulse zu entdecken und das Ergebnis offen zu lassen. Das könnte Professionalität im reggianischen Sinne bedeuten.“

Hildegard Wies und Karola Mair sind Mitglieder des Referententeams des FHH Münster

Lisa Thies und Helen Hermann sind Studentinnen der Universität zu Köln

„Stolz wie Bolle“ – Reggiozertifizierung geht weiter

Stellvertretend für die wachsende Zahl von Kindertageseinrichtungen, die eine Reggiozertifizierung durchlaufen, sei hier einmal auf ein Beispiel aus Rheinland-Pfalz hingewiesen: Eine Kindertageseinrichtung in Waldlaubersheim unter der Leitung von Sven Detering konnte zuletzt die Auszeichnung entgegennehmen. Der Zertifizierung geht ein längerer Organisationsentwicklungsprozess voraus, in dem die Einrichtungen sich intensiv mit den zentralen Aspekten der Regie-Pädagogik auseinandersetzen. Näheres zur festlichen zertifizierung in Waldlaubersheim im anhängenden Zeitungsartikel.